Jagdliches Brauchtum

Gedanken zur Jägerprüfung

Mancher, der naturverbunden, hat schon oft den Wunsch empfunden
auch einmal an freien Tagen auf das edle Wild zu jagen.
Sei es, dass zu eignem Zwecke ihm als Atzung dient die Strecke,
sei es, dass er Jagdgenüsse umtauscht in Geschäftsabschlüsse,
sei es, dass als Jägersmann er beim Weib sich brüsten kann,
oder sei's, wie's sich gehört, den Schöpfer im Geschöpf er ehrt.

Um zu sein im grünen Kreise gibt es Gründe haufenweise
doch, wie könnt' es anders sein, jeder Mensch passt da nicht rein!

Jedenfalls und außerdem ist es erst mal unbequem,
dass der Mensch, der Strecke legt, einen Jagdschein bei sich trägt,
welcher, dies ist vielen scheußlich, nicht mal ist für Euro käuflich,
ohne dass man Nachweis brachte, dass man eine Prüfung machte,
ja, allein schon die Gedanken brachten manchen Mensch ins Wanken.
Und das Fazit der Geschicht: Solche Menschen brauch'n wir nicht.

Jeder Prüfung hol's der Daus, geht das Lernen erst voraus,
und schon in der ersten Stunde geht es los mit Waffenkunde.
Drastisch zeigt der Jagdkursführer Auswirkung vom Laufkrepierer,
der die Damastläufe sprengt, wenn man rauchlos sie besengt.

Oder wenn die 16/70 in die fünfundsechz'ger schiebt sich.
Außerdem bringt er uns bei was 'ne Bockbüchsflinte sei,
wie man auf Gesellschaftsjagd möglichst wenig Witwen macht,
wie man sich vom Hochsitz schwingt oder über Gräben springt,
wenn der Drilling - welche List - heimlich rückgestochen ist.

Zweite Stunde: Jägersprache!!! Welche Wildsau nennt man Bache,
was ist nässen, was ist plätzen, was ist wölfen, frischen, setzen,
was ist schrecken, was ist klagen, wer tut eine Schürze tragen,
was kommt nackt, und was behaart, wo sitzt bei der Gams der Bart,
welches Tier hat keine Galle, wo sitzt bei dem Hund die Schnalle,
wann sind alle Böcke geil? Horrido und Waidmannsheil!

Eine andere Jagdkursstunde widmet man dem treuen Hunde,
der als bester Jagdgefährte sich schon tausendfach bewährte.
Hier kann man zusammenfassen Vorsteh-, Schweiß- und Bauhundrassen,
und der gute Waidmann schwört, dass der Hund zur Jagd gehört,
wie der Unterrock zur Frau und zum Alkohol das Blau.
Ganz egal ob klein ob groß, ohne Hund geht man nicht los!

Nach der Vorbereitungszeit ist es endlich dann soweit
und die bange Stunde naht wo man zu beweisen hat,
dass man sich als Jägersmann unter andre wagen kann.
Man muss reden, schreiben, schießen, während andere verschließen,
ob das, was man vorgebracht, würdig ist der grünen Tracht.

Ist nach hoffnungsvollen Stunden, alles dann für gut befunden,
also ist das Ziel erreicht, wird es uns ums Herze leicht!
Ja, nun lasst uns fröhlich singen und getrost die Becher klingen,
denn wir haben guten Grund, da wir jetzt, ab dieser Stund,
auch zur Jägerschaft gehören und auf all das Edle schwören,
das sich in der Schöpfung findet und uns mit der Jagd verbindet!

Horrido!!!!!

Harald Lietz

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